Foto: Anna Nestrenko

Rettung in Sicht

Olympiaschwimmerin Yusra Mardini unterstützt das deutschlandweit einmalige Schwimmprojekt für Geflüchtete im FEZ-Berlin

"Im Mittelmeer sind seit 2014 mehr als 10.000 Menschen ertrunken. Es werden nach wie vor dringend mehr Hilfsschiffe und Rettungsschwimmer benötigt. Dass nun Menschen mit Fluchterfahrung hier in Deutschland die Chance bekommen, sich zum Rettungsschwimmer ausbilden zu lassen um selber Leben zu retten, finde ich großartig. Deswegen unterstütze ich ‚Rettung in Sicht‘."
Yusra Mardini, syrische Profischwimmerin und Olympiateilnehmerin 2016

Im Rahmen des Mitte September begonnenen Pilotprojekts "Rettung in Sicht" wird das FEZ in den nächsten sieben Monaten sechs Geflüchtete zu Rettungsschwimmern ausbilden. Yusra Martini wird das Projekt begleiten und die Teilnehmer unterstützen.

2015 kamen 79.034 Geflüchtete nach Berlin. Es auf den Arbeitsmarkt zu schaffen, ist für sie mit großen Hürden verbunden: Oft werden ihre Abschlüsse nicht anerkannt, Ausbildungen scheitern an einer vergleichbaren schulischen Vorbildung. Das FEZ-Berlin suchte nach Möglichkeiten, Geflüchtete auch ohne Vorlage von Zeugnissen ausbilden zu können. Um Rettungsschwimmer zu werden reicht ein so genannter Kompetenznachweis, schulische Voraussetzungen spielen keine Rolle. Die Aussicht auf Stellen in den Berliner Bäderbetrieben ist gut: Es herrscht ein Mangel an Rettungsschwimmern.

Besonders Rettungsschwimmer, die die Sprachen der zu uns gekommenen Menschen sprechen, sind gefragt. In den Sommermonaten stellten die Neuzugezogenen gerade für Schwimmbäder eine Herausforderung dar: Viele Geflüchtete können nicht schwimmen, Hallenbäder und die damit einhergehenden Badeordnungen sind ihnen fremd. Nicht selten betätigen sich deutsche Bademeister als Sozialpädagogen, wegen sprachlicher Barrieren meist ohne Erfolg.

Einer der sechs Auszubildenden von "Rettung in Sicht" ist Ezzat Mardini, der Vater und einstweilige Trainer von Olympiateilnehmerin Yusra Mardini. Die Geschichte der 18-Jährigen ging um die Welt: Bei ihrer Flucht über das Mittelmeer rettete die syrische Schwimmerin im Sommer 2015 gemeinsam mit ihrer Schwester Sarah 18 Passagieren ihres Schlepperbootes das Leben. Als der Außenbordmotor ihres Schlauchbootes versagte, sprangen Yusra und Sarah Mardini ins Wasser und zogen das Boot über drei Stunden die neun Kilometer vom türkischen Izmir über die Ägäis bis zur griechischen Insel Lesbos. Im Sommer 2016 nahm Yusra Mardini an den Olympischen Spielen teil. Das Time Magazine wählte die Wahlberlinerin jüngst zu einem der 30 einflussreichsten Teenager weltweit.

"Spaß beim Baden - so geht’s"

Ein in Kooperation mit Schüler*innen der Fritz-Kühn-Schule produzierter siebenminütiger Stumm-Animationsfilm, vermittelt Neuzugezogenen spielerisch die Baderegeln des FEZ-Berlin.

Idee "Erklärfilm"

2015 ertranken laut der deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) deutschlandweit 27 Geflüchtete beim Baden. Nach wie vor können viele Geflüchtete nicht schwimmen. Hallenbäder und die damit einhergehenden Badeordnungen sind ihnen fremd.

Im Sommer dieses Jahres reagierten die Hallenbäder daher auf die neuen Besucher*innen: mit Badeordnungen in Comic-Form. So entstand im FEZ-Berlin die ungewöhnliche Idee einen "Erklärfilm" zu produzieren.

Im Rahmen der Projektwoche zum Thema "Werte" konzipierten  Schüler*innen der Klasse 8 b der Treptower Fritz-Kühn-Schule in Zusammenarbeit mit Trickfilmexperten und dem Leitenden Bademeister Renè Moegelin einen Animationsfilm, der den Neuzugezogenen die deutschen Baderegeln spielerisch verständlich macht.

Während des Filmprojekts im Trickfilmstudio des FEZ lernten die Schüler nicht nur einen Animationsfilm zu machen, sondern auch, sich in Menschen hineinzuversetzen, denen der deutsche Alltag fremd ist.